Deutsch Chinesisches Consulting-Center Dr.-Ing. Hong Li-Thomalla

China-Kompass · Monatsbericht

Exportrekord, Wachstumsdelle: Chinas Sommer der zwei Geschwindigkeiten

Ausgabe Juli 2026 Stand: 19. Juli 2026 Lesezeit ca. 4 Minuten

China verfehlt erstmals seit der Pandemie sein Wachstumsziel – und meldet zugleich den stärksten Exportanstieg seit 2021. Parallel ziehen Peking bei strategischen Rohstoffen und Brüssel beim Import die Regeln an. Für deutsche Unternehmen verschiebt sich das China-Geschäft weiter: weniger Absatz, mehr Einkauf – und deutlich mehr Compliance.

Nächtliche Skyline von Shanghai mit den Hochhäusern von Pudong
Foto: Zhou Xian · Unsplash
+4,3 %BIP, 2. Quartal (ggü. Vorjahr)
+27 %Exporte, Juni (ggü. Vorjahr)
+1,0 %Einzelhandel, Juni (ggü. Vorjahr)
−5,7 %Anlageinvestitionen, Jan.–Juni

Quelle: Nationales Statistikamt NBS und Zollverwaltung GACC, veröffentlicht 14./15.07.2026

Wirtschaftslage China in Kürze


Containerhafen mit Kränen in der Abenddämmerung
Containerterminal am Abend — Foto: Kenny · Unsplash

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 4,3 Prozent gewachsen – der schwächste Wert seit Ende 2022 und erstmals seit der Pandemie unterhalb des eigenen Zielkorridors von 4,5 bis 5 Prozent. Für das erste Halbjahr steht ein Plus von 4,7 Prozent. Dahinter verbirgt sich eine bemerkenswerte Spreizung: Die Exporte sprangen im Juni um 27 Prozent auf den Rekordwert von rund 412 Milliarden US-Dollar – der stärkste Anstieg seit Oktober 2021, getragen von Halbleitern und Computerteilen; die Automobilausfuhren legten um fast 70 Prozent zu. Der Außenhandel überschritt im Halbjahr erstmals die Marke von 25 Billionen Yuan.

Im Inland bleibt das Bild verhalten. Der Einzelhandel drehte im Juni mit plus 1,0 Prozent zurück ins Plus, nachdem er im Mai erstmals seit über drei Jahren geschrumpft war. Die Anlageinvestitionen lagen im ersten Halbjahr 5,7 Prozent unter Vorjahr, die Immobilieninvestitionen brachen um rund 18 Prozent ein. Der Ruf nach zusätzlichen Konjunkturmaßnahmen wird lauter; mit weiterer staatlicher Unterstützung im zweiten Halbjahr ist zu rechnen – fest einplanen sollte man sie nicht.

Quellen: NBS via CNBC, 15.07.2026 · SCMP, 14.07.2026 · CNN, 14.07.2026 · GACC via RTE/Reuters, 14.07.2026

Regulierung, Zoll und Import


Peking zieht die Kontrolle über strategische Rohstoffe weiter an. Mit Bekanntmachung Nr. 26/2026 hat das Handelsministerium MOFCOM zum 1. Juli ein formales Melde- und Belohnungssystem für Verstöße gegen die Exportkontrolle strategischer Mineralien eingeführt. Erfasst werden ausdrücklich auch Umgehungen über Drittländer, das Zerlegen kontrollierter Güter in Komponenten – und Logistik-, Zoll- oder Finanzdienstleister, die solche Ausfuhren unterstützen. Die Ausfuhren seltener Erden lagen im ersten Halbjahr 6,4 Prozent unter Vorjahr; bei schweren seltenen Erden wie Dysprosium und Terbium fällt der Rückgang deutlich schärfer aus. Wer Magnete, Motoren oder Sensorik aus China bezieht, sollte Lizenzstatus und Exportdokumentation seiner Lieferanten jetzt systematisch prüfen.

Auf europäischer Seite gelten seit dem 1. Juli neue Importregeln: Die Zollfreigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen ist abgeschafft; zusätzlich wird eine Bearbeitungspauschale von rund drei Euro je Paket erhoben. Das trifft vor allem Geschäftsmodelle mit Direktversand aus China. Beim Stahl kürzt die EU die zollfreien Einfuhrquoten um 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen und verdoppelt den Zollsatz außerhalb der Quote auf 50 Prozent – flankiert von „Melt and pour“-Ursprungsregeln, die Umwege über Drittländer verschließen sollen.

Zugleich bewegen sich Brüssel und Peking aufeinander zu: China hat Gesprächsbereitschaft signalisiert und zugesagt, mehr europäische Waren zu kaufen; bis Oktober sollen erste Ergebnisse sichtbar werden. Für die Praxis heißt das: Zoll- und Preiskalkulationen mit festen Annahmen sind derzeit riskant – Verträge sollten Spielraum für geänderte Abgaben vorsehen.

Quellen: MOFCOM-Bekanntmachung Nr. 26/2026 via Morgan Lewis · Mining.com · CSIS, Juli 2026 · Al Jazeera, 30.06.2026 · AP/ABC News, 01.07.2026 · Atlantic Council · Asia Times, Juli 2026

Marktchancen und Handlungsbedarf


Industrieroboter an einer automatisierten Fertigungslinie
Automatisierte Fertigung — Foto: Simon Kadula · Unsplash

Trotz Konjunkturdelle bleibt das Engagement deutscher Unternehmen hoch. In der aktuellen Geschäftsklima-Umfrage der Deutschen Handelskammer in China (2025/26) erklären 93 Prozent der Befragten, im Markt bleiben zu wollen; mehr als die Hälfte plant in den nächsten zwei Jahren zusätzliche Investitionen – bei zugleich hartem Preisdruck durch lokale Wettbewerber. Auffällig ist die Verschiebung der Handelsströme: Die deutschen Ausfuhren nach China sanken im ersten Quartal um 12,5 Prozent, während die Einfuhren aus China um 6,4 Prozent zulegten. Das China-Geschäft verlagert sich damit weiter vom reinen Verkauf hin zu Einkauf, Lokalisierung und Partnerschaften.

Daraus ergeben sich drei Handlungsfelder. Erstens Sourcing: Chinas Exportstärke bei Elektronik, E-Mobilität und Maschinenkomponenten bedeutet leistungsfähige Lieferanten zu wettbewerbsfähigen Preisen. Die Messesaison ab Oktober – Canton Fair, CIIE – ist das Zeitfenster, um Lieferanten vor Ort zu prüfen; Werksbesuche und Due Diligence brauchen mehrere Wochen Vorlauf und gehören jetzt in die Planung. Zweitens Rohstoffsicherheit: Wer von seltenen Erden abhängt, braucht belastbare Lizenzunterlagen seiner Lieferkette und geprüfte Ausweichquellen, bevor Engpässe die eigene Fertigung erreichen. Drittens Lokalisierung: Der Preisdruck im Markt spricht dafür, Wertschöpfung „in China für China“ ernsthaft zu prüfen, statt allein auf den Export aus Deutschland zu setzen. Wer diese Weichen in den kommenden Wochen stellt, geht mit belastbaren Optionen ins Jahr 2027.

Quellen: AHK Greater China, Business Confidence Survey 2025/26 · Xinhua, 03.12.2025 · Destatis-Daten via Reuters, Q1 2026

Termin- und Messehinweise


  • 22.–24.09.2026 AHK Greater China Xceleration DaysShanghai. Flaggschiff-Treffen der deutsch-chinesischen Wirtschaft – guter Einstiegspunkt für erste Marktkontakte.
  • 15.10.–04.11.2026 140. Canton FairGuangzhou, drei Phasen: 15.–19.10. Elektronik, Maschinen, Fahrzeuge · 23.–27.10. Konsumgüter · 31.10.–04.11. Textil, Gesundheit, Lebensmittel. Wichtigste Sourcing-Messe des Landes.
  • 05.–10.11.2026 9. China International Import Expo (CIIE)Shanghai. Chinas große Importmesse – Schaufenster für ausländische Anbieter Richtung chinesischer Einkäufer.

Quellen: AHK Greater China, Juli 2026 · Canton Fair / Messeportale · CIIE-Veranstalter / Messeportale

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China Kompass · Monthly Briefing

Record exports, slowing growth: China’s two-speed summer

July 2026 edition As of 19 July 2026 Approx. 4-minute read

For the first time since the pandemic, China has missed its growth target – while posting its strongest export surge since 2021. In parallel, Beijing is tightening the rules on strategic raw materials and Brussels is tightening them on imports. For German companies, the China business keeps shifting: less selling, more sourcing – and considerably more compliance.

Night-time skyline of Shanghai’s Pudong district
Photo: Zhou Xian · Unsplash
+4.3 %GDP, Q2 (yoy)
+27 %Exports, June (yoy)
+1.0 %Retail sales, June (yoy)
−5.7 %Fixed-asset investment, Jan–Jun

Source: National Bureau of Statistics and customs administration GACC, released 14/15 July 2026

China’s economy at a glance


Container port with cranes at dusk
Container terminal at dusk — Photo: Kenny · Unsplash

China’s economy grew 4.3 per cent in the second quarter – the weakest reading since late 2022 and the first time since the pandemic that growth has come in below Beijing’s own target corridor of 4.5 to 5 per cent. That leaves first-half growth at 4.7 per cent. Behind the headline number lies a remarkable split: exports jumped 27 per cent in June to a record of roughly 412 billion US dollars – the strongest rise since October 2021, driven by semiconductors and computer parts, with car exports up almost 70 per cent. First-half trade crossed the 25-trillion-yuan mark for the first time.

At home, the picture remains subdued. Retail sales returned to growth in June at plus 1.0 per cent, after shrinking in May for the first time in more than three years. Fixed-asset investment was down 5.7 per cent year on year in the first half, with property investment plunging by around 18 per cent. Calls for additional stimulus are growing louder; further government support looks likely in the second half – but it is nothing to build a plan on.

Sources: NBS via CNBC, 15 July 2026 · SCMP, 14 July 2026 · CNN, 14 July 2026 · GACC via RTE/Reuters, 14 July 2026

Regulation, customs and imports


Beijing continues to tighten its grip on strategic raw materials. With Announcement No. 26 of 2026, the Ministry of Commerce (MOFCOM) introduced a formal reporting and reward system for violations of export controls on strategic minerals, effective 1 July. It explicitly covers circumvention via third countries, splitting controlled goods into components – and logistics, customs or financial service providers that support such shipments. Rare-earth exports were down 6.4 per cent year on year in the first half; for heavy rare earths such as dysprosium and terbium, the decline is considerably steeper. Anyone sourcing magnets, motors or sensors from China should now systematically review their suppliers’ licence status and export documentation.

On the European side, new import rules have applied since 1 July: the 150-euro duty-free threshold for small parcels has been abolished, and a handling fee of around three euros per parcel now applies – hitting direct-shipping business models from China hardest. On steel, the EU is cutting duty-free import quotas by 47 per cent to 18.3 million tonnes and doubling the out-of-quota tariff to 50 per cent, flanked by “melt and pour” rules of origin designed to close third-country detours.

At the same time, Brussels and Beijing are inching towards each other: China has signalled willingness to talk and pledged to buy more European goods, with first results expected by October. In practice, this means customs and pricing calculations built on fixed assumptions are risky right now – contracts should leave room for changing duties.

Sources: MOFCOM Announcement No. 26/2026 via Morgan Lewis · Mining.com · CSIS, July 2026 · Al Jazeera, 30 June 2026 · AP/ABC News, 1 July 2026 · Atlantic Council · Asia Times, July 2026

Market opportunities and action needed


Industrial robots on an automated production line
Automated manufacturing — Photo: Simon Kadula · Unsplash

Despite the growth dip, German companies remain firmly committed. In the latest business confidence survey by the German Chamber of Commerce in China (2025/26), 93 per cent of respondents say they intend to stay in the market, and more than half plan additional investment over the next two years – against intense price pressure from local competitors. The shift in trade flows is striking: German exports to China fell 12.5 per cent in the first quarter, while imports from China rose 6.4 per cent. The China business is thus continuing to move from pure selling towards sourcing, localisation and partnerships.

Three fields of action follow. First, sourcing: China’s export strength in electronics, e-mobility and machinery components means capable suppliers at competitive prices. The trade-fair season from October – Canton Fair, CIIE – is the window to vet suppliers on the ground; factory visits and due diligence take several weeks of lead time and belong in the planning now. Second, raw-material security: anyone dependent on rare earths needs solid licence documentation across the supply chain and vetted alternative sources before shortages reach their own production. Third, localisation: price pressure in the market argues for seriously examining “in China for China” value creation rather than relying on exports from Germany alone. Those who set this course in the coming weeks will enter 2027 with robust options.

Sources: AHK Greater China, Business Confidence Survey 2025/26 · Xinhua, 3 December 2025 · Destatis data via Reuters, Q1 2026

Dates and trade fairs


  • 22–24 Sep 2026 AHK Greater China Xceleration DaysShanghai. Flagship gathering of the Sino-German business community – a good entry point for first market contacts.
  • 15 Oct–4 Nov 2026 140th Canton FairGuangzhou, three phases: 15–19 Oct electronics, machinery, vehicles · 23–27 Oct consumer goods · 31 Oct–4 Nov textiles, health, food. China’s most important sourcing fair.
  • 5–10 Nov 2026 9th China International Import Expo (CIIE)Shanghai. China’s big import fair – a showcase for foreign suppliers towards Chinese buyers.

Sources: AHK Greater China, July 2026 · Canton Fair / trade-fair portals · CIIE organisers / trade-fair portals

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