Wirtschaftslage China in Kürze
Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 4,3 Prozent gewachsen – der schwächste Wert seit Ende 2022 und erstmals seit der Pandemie unterhalb des eigenen Zielkorridors von 4,5 bis 5 Prozent. Für das erste Halbjahr steht ein Plus von 4,7 Prozent. Dahinter verbirgt sich eine bemerkenswerte Spreizung: Die Exporte sprangen im Juni um 27 Prozent auf den Rekordwert von rund 412 Milliarden US-Dollar – der stärkste Anstieg seit Oktober 2021, getragen von Halbleitern und Computerteilen; die Automobilausfuhren legten um fast 70 Prozent zu. Der Außenhandel überschritt im Halbjahr erstmals die Marke von 25 Billionen Yuan.
Im Inland bleibt das Bild verhalten. Der Einzelhandel drehte im Juni mit plus 1,0 Prozent zurück ins Plus, nachdem er im Mai erstmals seit über drei Jahren geschrumpft war. Die Anlageinvestitionen lagen im ersten Halbjahr 5,7 Prozent unter Vorjahr, die Immobilieninvestitionen brachen um rund 18 Prozent ein. Der Ruf nach zusätzlichen Konjunkturmaßnahmen wird lauter; mit weiterer staatlicher Unterstützung im zweiten Halbjahr ist zu rechnen – fest einplanen sollte man sie nicht.
Quellen: NBS via CNBC, 15.07.2026 · SCMP, 14.07.2026 · CNN, 14.07.2026 · GACC via RTE/Reuters, 14.07.2026
Regulierung, Zoll und Import
Peking zieht die Kontrolle über strategische Rohstoffe weiter an. Mit Bekanntmachung Nr. 26/2026 hat das Handelsministerium MOFCOM zum 1. Juli ein formales Melde- und Belohnungssystem für Verstöße gegen die Exportkontrolle strategischer Mineralien eingeführt. Erfasst werden ausdrücklich auch Umgehungen über Drittländer, das Zerlegen kontrollierter Güter in Komponenten – und Logistik-, Zoll- oder Finanzdienstleister, die solche Ausfuhren unterstützen. Die Ausfuhren seltener Erden lagen im ersten Halbjahr 6,4 Prozent unter Vorjahr; bei schweren seltenen Erden wie Dysprosium und Terbium fällt der Rückgang deutlich schärfer aus. Wer Magnete, Motoren oder Sensorik aus China bezieht, sollte Lizenzstatus und Exportdokumentation seiner Lieferanten jetzt systematisch prüfen.
Auf europäischer Seite gelten seit dem 1. Juli neue Importregeln: Die Zollfreigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen ist abgeschafft; zusätzlich wird eine Bearbeitungspauschale von rund drei Euro je Paket erhoben. Das trifft vor allem Geschäftsmodelle mit Direktversand aus China. Beim Stahl kürzt die EU die zollfreien Einfuhrquoten um 47 Prozent auf 18,3 Millionen Tonnen und verdoppelt den Zollsatz außerhalb der Quote auf 50 Prozent – flankiert von „Melt and pour“-Ursprungsregeln, die Umwege über Drittländer verschließen sollen.
Zugleich bewegen sich Brüssel und Peking aufeinander zu: China hat Gesprächsbereitschaft signalisiert und zugesagt, mehr europäische Waren zu kaufen; bis Oktober sollen erste Ergebnisse sichtbar werden. Für die Praxis heißt das: Zoll- und Preiskalkulationen mit festen Annahmen sind derzeit riskant – Verträge sollten Spielraum für geänderte Abgaben vorsehen.
Quellen: MOFCOM-Bekanntmachung Nr. 26/2026 via Morgan Lewis · Mining.com · CSIS, Juli 2026 · Al Jazeera, 30.06.2026 · AP/ABC News, 01.07.2026 · Atlantic Council · Asia Times, Juli 2026
Marktchancen und Handlungsbedarf
Trotz Konjunkturdelle bleibt das Engagement deutscher Unternehmen hoch. In der aktuellen Geschäftsklima-Umfrage der Deutschen Handelskammer in China (2025/26) erklären 93 Prozent der Befragten, im Markt bleiben zu wollen; mehr als die Hälfte plant in den nächsten zwei Jahren zusätzliche Investitionen – bei zugleich hartem Preisdruck durch lokale Wettbewerber. Auffällig ist die Verschiebung der Handelsströme: Die deutschen Ausfuhren nach China sanken im ersten Quartal um 12,5 Prozent, während die Einfuhren aus China um 6,4 Prozent zulegten. Das China-Geschäft verlagert sich damit weiter vom reinen Verkauf hin zu Einkauf, Lokalisierung und Partnerschaften.
Daraus ergeben sich drei Handlungsfelder. Erstens Sourcing: Chinas Exportstärke bei Elektronik, E-Mobilität und Maschinenkomponenten bedeutet leistungsfähige Lieferanten zu wettbewerbsfähigen Preisen. Die Messesaison ab Oktober – Canton Fair, CIIE – ist das Zeitfenster, um Lieferanten vor Ort zu prüfen; Werksbesuche und Due Diligence brauchen mehrere Wochen Vorlauf und gehören jetzt in die Planung. Zweitens Rohstoffsicherheit: Wer von seltenen Erden abhängt, braucht belastbare Lizenzunterlagen seiner Lieferkette und geprüfte Ausweichquellen, bevor Engpässe die eigene Fertigung erreichen. Drittens Lokalisierung: Der Preisdruck im Markt spricht dafür, Wertschöpfung „in China für China“ ernsthaft zu prüfen, statt allein auf den Export aus Deutschland zu setzen. Wer diese Weichen in den kommenden Wochen stellt, geht mit belastbaren Optionen ins Jahr 2027.
Quellen: AHK Greater China, Business Confidence Survey 2025/26 · Xinhua, 03.12.2025 · Destatis-Daten via Reuters, Q1 2026
Termin- und Messehinweise
- 22.–24.09.2026 AHK Greater China Xceleration DaysShanghai. Flaggschiff-Treffen der deutsch-chinesischen Wirtschaft – guter Einstiegspunkt für erste Marktkontakte.
- 15.10.–04.11.2026 140. Canton FairGuangzhou, drei Phasen: 15.–19.10. Elektronik, Maschinen, Fahrzeuge · 23.–27.10. Konsumgüter · 31.10.–04.11. Textil, Gesundheit, Lebensmittel. Wichtigste Sourcing-Messe des Landes.
- 05.–10.11.2026 9. China International Import Expo (CIIE)Shanghai. Chinas große Importmesse – Schaufenster für ausländische Anbieter Richtung chinesischer Einkäufer.
Quellen: AHK Greater China, Juli 2026 · Canton Fair / Messeportale · CIIE-Veranstalter / Messeportale